Das zweite Buch Urvans

Urvan reiste durch den hohen Norden und die Zeit reiste mit ihm, so das sich unter den Schmieden der Welt seine Kunde des Schwertes verbreitete und ein jeder Schmied, egal welcher Rasse, das Wissen erlangte, gleich ob Zwerg, Elf, Mensch, Halbling oder Halbork, sie alle erfuhren die Weisheit der hohen Schmiedekunst und mit ihren eingeflochtenen Eigenarten, wuchsen die Früchte der Saat. Er fühlte sich sehr wohl in den Bergen und Wäldern, die es hier zur Fülle gab und gar lieblich war es, wenn der Schnee fiel und die noch jungen Scherben bedeckte und ein weißer Teppich sich vor ihm ausbreitete, den er fröhlich beschritt.

An einem breiten Bachlauf rastete er, nicht aus dem Grund der Müdigkeit, sondern der des Augenblickes, der ihn anzog und ihn verharren ließ, an eben jener Stelle. Die Sonne war schon weit fortgeschritten und ein nächtlicher Gruß schien nicht mehr fern zu sein, da erschien am wilden Bach ein Bär, der sich daran machte, geschickt, Fische zu fangen um sich an ihnen zu laben, während ein gutes Stück zurück, einige scheue Rehe aus dem Dickicht traten um am Bach zu trinken und so versammelten sich, gleich ob Jäger oder Gejagte, einer zum anderen, wenn auch mit respektvollem Abstand, ein hier bei der Quelle allen Lebens, des Wassers, was ihnen allen zugleich war, auch wenn sie alle verschieden waren, in ihrer Art, so waren sie vor dem Leben alle gleich. Diese Erkenntnis bewegte Urvan und er zog weiter durch den Wald, wie schon oft zuvor und lauschte seinen Geräuschen, die die Welt zu erzählen schien, was war, was ist und was stetig sein wird.

Die Wälder, Wiesen, Felder und kleinen Siedlungen zogen an ihm vorbei, so versunken war er in seine Gedanken, als er vor einem sichtlich alten Baum halt machte und nach oben in seine Krone spähte, die mächtig und ausladend war und sich über viele Meter erstreckte und ein schattiges Dach gen Himmel bot, wo die Sonne im Zenit stand und dem Mittag Hitze spendete und eine Stille die Welt umgab, da jeder zu ruhen schien.

Ein heftiges Rumoren riss Urvans Aufmerksamkeit an sich und er folgte dem Wortschwall der sich in mehreren Stimmen verfing und deren Ausdrücke nicht zwingend als höfliches Geplänkel anzusehen waren. Die Stimmen die seine Ohren vernahmen, führten in zu einem Dorf der Menschen, die sich hier angesiedelt hatten. Schönes Fachwerk, umgeben von einer recht ansehnlichen Mauer, gut geschützt durch kleinere, aus Holz gefertigten, Wachtürmen und einem großen Tor, dessen Bohlen mit Messing beschlagen waren um es stabiler zu gestalten. Wahrhaft ein wehrbares Dorf, das sich hier in der Wildnis, nahe eines Flusslaufes gut halten möge.

Vor den Tor erstreckten sich größere, gerodete Flächen und einige Felder waren angelegt und eine Mühle schien noch im Bau zu sein, alles in allem schienen es friedliche Gesellen zu sein und Urvan erschien es fremdartig, in dieser Idylle so garstige Worte zu vernehmen und so entschied er sich nun endgültig die Gruppe zu suchen und sich ihrem Streit an zu nehmen.

So schritt er durch die Häuserreihen, bis er einen großen, ovalen und mit Ziersteinen gepflasterten Platz fand, der scheinbar die Dorfmitte markierte. Ringsherum war der Platz von Ständen flankiert, wo etliche Personen ihre waren feilboten, unter ihnen waren nicht nur Menschen, sondern auch Elfen, Zwerge und Halblinge hatten sich scheinbar zum Markttag eingefunden, der hier offensichtlich stattfand. Etwas abseits zweier Stände, zur Mitte hin, hatte sich eine Schar eingefunden, die mit den Köpfen nach unten gebeugt auf den Boden sahen, wo zwei Personen miteinander rangen.

In der Tat prügeltet sich dort zwei Menschen, die Standnachbarn waren, da zweierlei Stände, die direkt nebeneinander lagen verweist schienen. Urvan betrachtete die Szene eine Weile, bis es ihm zu bunt wurde und er in ihre Mitte trat und sich zu erkennen gab. Einige der Frauen kreischten lauthals und die Männer die zuvor noch die kämpfenden angefeuert hatten, gafften verdutzt in die Höhe, wo nun ein leibhaftiger Gott vor ihnen stand. Einzig die beiden kämpfenden schien das nicht weiter zu beeindrucken, da sie stetig weiter aufeinander einschlugen, bis das ihnen die Nasen bluteten. Seine Stimme donnerte auf die beiden Streithammel hinunter auf das die Erde bebte und sie zitternd voneinander abließen und aufschauten, wo sie in das wütende Gesicht Urvans blickten, welcher, wo er nun auch ihre Aufmerksamkeit hatte, sprach, was dies hier solle und eine baldige Antwort verlangte.

Beide fingen an, durcheinander zu berichten und es stellte sich scheinbar heraus, das sie sich hier auf dem Boden eingefunden hatten, da der eine den anderen beleidigt hatte, da sie beide die gleichen Waren anboten und es schnell hieß der eine hätte die schlechteren und der andere Wucher und einen hin und einen her und schon hatte man sich an den Köpfen gepackt und die Keilerei war entstanden. Laut lachend packte Urvan die beiden am Kragen und brachte sie so wieder auf die eigenen Beine und während er lachte sprach er zu ihnen; das dieses Verhalten unwürdig sei, eine Tollerei wie bei Kindern, dies sei eines Mannes nicht würdig und er zog sein Schwert.

Habt ihr einen Zwist auszutragen, dann tut dies wie ein richtiger Kämpfer im Duell und wählet euch eure Waffen, die da sind um sich im Nahkampfe zu messen. Benutz sie um euch auszutoben, um heraus zu finden wer der bessere ist, aber doch nicht indem ihr euch wie räudige Hunde prügelt, im Staub vor anderen. So wählet eure Kurzschwerter, die ihr beide an eurem Bunde tragt und geht aufs Feld hinaus, wo ihr Platz für euer Handeln findet und tretet euch gegenüber, begrüßt euch respektvoll und beginnt den Kampf, der da nicht bis zum Tode stattfindet, sondern bis zur Aufgabe des anderen oder bis er am Boden liege und sich nicht mehr erwehren kann. Tötet ihr aus Absicht, so ist es Mord, den ihr begeht und dafür sollt ihr gerichtet werden, wie es üblich ist. Begibt es sich, das euer Gegenüber aus Versehen im Kampfe sein Leben verliert, so tragt nicht die Schuld, aber die Folgen und sorgt euch um seinen Leichnam und seine Hinterbliebenen mit dem zehnten eurer Habe.

Gesprochen ward es und so gingen sie zum Tor des Dorfes hinaus, auf einen freien Acker und sie stellten sich wie geheißen gegenüber und grüßten sich und alsdann begann das Duell der beiden. Sie parierten, stellten Fallen und ihre Schwerter schlugen aufeinander, so dass die Funken stoben. Es dauerte eine Zeit, bis schließlich der Kampfarm des einen ermattete und sein Schwert sich zu Boden senkte und er sich selbst setzte, worauf der andere von ihm abließ und gemäß des Wortes Urvans ihm nicht länger nachsetzte und so das Duell für sich entschied.

Urvan sprach zu ihnen, so sei der Ehre der beiden genüge getan, sie hatten sich duelliert und es hat einen Sieger gegeben, ohne das das Blut geflossen war und fortan sollten sie sich wieder wie früher begegnen, ohne Hass und Wut aufeinander, besiegeln sollten sie ihren Bund auf ihre Art und wie es ihr Wunsch sei und es sei an ihnen diese Kunde fort zu tragen, auf das sie Beachtung finde auf der Welt.

Das Dorf blieb mit dieser Weisheit, die neu gewonnen war hinter Urvan zurück, der sich wieder auf den Weg gemacht hatte, den Norden zu bereisen und er war erquickt über den neuen Gedanken, der nun die Welt bewohnte.

(von Thorben von Sarkem)

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